Einsamkeit im Alter – Ein Tabuthema?

Oder eher ein Angstthema? Wer gibt schon gerne zu, dass er oder sie einsam ist. Ist Einsamkeit gleichbedeutend mit „keine Freunde“ haben? Oder sozial unverträglich zu sein? Vielleicht wäre es gut, sich erst einmal darüber klar zu werden, was Einsamkeit eigentlich für uns und damit meine ich jeden Einzelnen, ist.

Für manch einen bedeutet Einsamkeit tatsächlich, alleine zu sein, vielleicht keine Familie und / oder Freunde zu haben. Manch andere Empfinden Einsamkeit, obwohl sie sich inmitten einer Traube von Menschen befinden und ein vermeintlich stabiles soziales Umfeld haben.

Gerade im Ruhestand, wenn die täglichen sozialen Kontakte wegbrechen, wir die Kollegen nicht mehr täglich, meist gar nicht mehr sehen, kommt häufig so ein Unwohlsein hoch. Ein Gefühl der – ja vielleicht auch Verunsicherung: wem begegne ich nun am Tag?

Was uns suggeriert wird

Die Werbung oder auch die Filmindustrie suggeriert uns hauptsächlich den sozial gut eingebundenen Rentner, rüstig, agil und mit vielen Freunden, einer intakten Partnerschaft und einem erfüllten Familienleben umgeben von Kindern und Enkeln.

Doch wie sieht eigentlich die Realität aus? Angefangen damit, dass nicht jeder Kinder und Enkel hat, so ist auch nicht jeder verheiratet oder lebt in einer Partnerschaft.

Wann fühlen wir uns einsam?

Was macht Einsamkeit eigentlich aus? Ist es, niemanden um sich herum zu haben? Oder keinen Seelenverwandten zu haben, mit dem wir vielleicht sogar über eine räumliche Distanz Nähe und Verbundenheit fühlen? Währen ich diese Zeilen schreibe sitze ich auf dem Balkon. Absolute Ruhe, vielleicht mal abgesehen vom Zwitschern der Vögel, war das, was ich mir gerade gewünscht hatte. Doch aus den anderen Gärten rings herum höre ich Kinderlachen, Gespräche, vorbeifahrende Fahrzeuge und knatternde Rasenmäher. Mein Mann sitzt in seinem Zimmer und widmet sich seinem Hobby. Ab und zu sehe ich ihn in die Küche laufen, um sich mit einem Getränk zu versorgen. Nein, ich bin weder allein noch einsam. Wie würde ich mich fühlen, würde ich nicht in einer Partnerschaft leben?

Hat sich einsam fühlen oder nicht etwas mit Zugehörigkeit zu tun? Wie gut kann ich mit mir alleine sein? Mich mit mir selbst beschäftigen?

Zahlen, die nachdenklich machen

Laut einer Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) von 2019 fühlen sich rund 9,5 % der Bevölkerung einsam. Ca. 60 % davon sind Frauen. Schauen wir auf die Altersgruppen, gibt es zwei, die überwiegen: die Gruppe zwischen der 20 – 30jährigen und – wen wundert es ;-), die über 60jährigen. Ein Teil dieser Menschen gibt an, oft nur einmal im Monat mit anderen Menschen zu sprechen. Eigentlich ist das kaum vorstellbar, oder? Aber offensichtlich Realität.

Was können wir konkret machen, um der Einsamkeit entgegenzusteuern?

  • Gehe unter Menschen, lerne neue Menschen kennen.
  • Welches Hobby würde dir Freude bereiten und dich unter Menschen bringen?
  • Schließe dich Gruppen an.
  • Gehe raus in die Natur. Schon ein-30-Minuten-Spaziergang täglich hebt den Serotonin-Spiegel. Das ist noch kein Weg direkt aus der Einsamkeit, hebt aber die Gemütslage.
  • Nutze Nachbarschaftsportale.
  • Biete anderen deine Hilfe an.
  • Wenn du Tiere magst, bewirb dich doch als „Gassi-Gänger“ im örtlichen Tierheim.
  • Sicherlich hast du selbst noch ein paar Ideen, was du machen könntest.

Fazit

Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen! Tausche die Einsamkeit gegen Lebensfreude!