Partnerschaft im Ruhestand (1)

Tja, die Partnerschaft – verändert sich diese durch den Ruhestand?

Und wie so oft im Leben: für die einen ja, für die anderen nein. J

Schauen wir uns die Scheidungszahlen nach Alter gegliedert an, müssen wir feststellen, dass gerade die Quote der langjährig verheirateten Paare, die sich trennen bzw. scheiden lassen, nach oben geht. Das bedeutet, irgendetwas muss sich verändern bzw. wir verändern uns und unser Denken, sodass wir überhaupt darüber nachdenken, einem langjährigen Lebensmodell den Rücken zu kehren.

Wenn ich hier von der „guten alten Institution Ehe“ spreche, fühle dich bitte auch angesprochen, wenn du mit deinem Lebenspartner „einfach nur so“ sehr lange zusammenlebst. Es sind tatsächlich alle Paare gemeint.

Die Partnerschaft von Anfang an

Doch schauen wir mal von Anfang an darauf. Zu Beginn einer Ehe oder Lebensgemeinschaft

ist der Alltag häufig davon geprägt, dass eine oder beide Partner Karriere machen wollen, beide haben Ziele, an denen sie arbeiten. Oder es sind schon Kinder da und aus der Partnerschaft ist eine Familie geworden. Und so geht das Leben weiter, immer wieder gibt es Menschen oder Dinge, die uns wichtig sind und uns die Partnerschaft ein wenig vernachlässigen lassen. Ist das gewollt? Ganz gewiss nicht, der berühmte Alltag frisst uns auf, ohne dass wir es wirklich bemerken.

Und dann kommt – dieser Zeitpunkt kommt doch für recht viele parallel zum Eintritt in den Ruhestand -die Kinder sind aus dem Haus. Manch eine – meist sind es die Frauen – leiden dann unter dem sogenannten Empty-Nest-Syndrom. Eine Hauptaufgabe fällt weg. Und mit einem Mal rückt die Partnerschaft wieder in den Vordergrund. Nun ist der Partner / die Partnerin vielleicht noch im Job, und der zu Hause seiende Teil richtet sich sein Leben (neu) ein. Bis abends. Dann kommt die „berühmte bessere Hälfte“. Soweit so gut.

Der Ruhestand ist da

Tadaaa… der Partner geht in den Ruhestand. Nun haben beide die Aufgabe sich neu zu erfinden, ihren Alltag neu zu strukturieren. Vielleicht können von beiden bisher einzeln liebgewonnene Rituale vermeintlich nicht mehr ausgeführt werden. Mit einem Mal sitzen wir uns als Paar 7 Tage die Woche 24 Stunden auf der Pelle. Ein Teilnehmer sagte mir einmal mit Tränen in den Augen: „Ich habe Angst davor, dass unsere Beziehung es nicht schafft. Wir leben heute jobbedingt in zwei Wohnungen 150 km voneinander entfernt und sehen uns nur am Wochenende. Bald sehen wir uns 7/24. Das macht mir Angst.“ Ja, alles ist neu – alles auf Anfang. Und es ist sinnvoll, auch die Rollen des täglichen Lebens neu zu verteilen.

Hilfreich ist es hier, dass wir darauf schauen, wer was gerne macht. Arbeitsteilung ist ein wichtiger Aspekt. Eine Teilnehmerin, die in Teilzeit arbeitet und die kurz vor ihrem Mann in den Ruhestand geht, sagte mir einmal: „Dass ich mich heute um alles was Haushalt ist kümmere, ist ja ok. Doch wenn wir beide im Ruhestand sind, dann habe ich die Arbeit alleine und mein Mann macht sich ein schönes Leben? Ne, das ist doch ungerecht.“

Sorry, liebe Männer: Darüber reden hilft 😉

Wie siehst du das? Ich kann diese Befürchtungen gut verstehen. Und ja, ungerecht finde ich es auch. Daher: sprecht darüber, wer was macht, wenn ihr in den Ruhestand geht. Vielleicht kommt es euch komisch vor, weil ihr es ja immer schon so gehandhabt habt. Dann ist alles prima. Doch bei vielen Paaren und durchaus nicht nur bei den Älteren gibt es doch immer noch ein Rollenbild, in dem sich die Frau um den Haushalt kümmert.

Ein weiterer Punkt ist auch, dass es im Ruhestand sehr wichtig ist, dass sich beide Partner*innen eine eigene Erlebniswelt aufbauen. Ihr habt doch früher auch nicht alles gemeinsam gemacht. So habt ihr auch etwas, über das ihr euch austauschen könnt und ihr kommt ins Reden. Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr nichts gemeinsam machen sollt. 😉

Während ich diese Zeilen schreibe, erscheinen mir viele Dinge so selbstverständlich, doch dann wie schnell fallen wir zurück in alte Gewohnheiten. Partnerschaft im Ruhestand bedeutet auch immer wieder neu darauf zu achten und daran zu „arbeiten“.

In der nächsten Woche geht es auch wieder um die Partnerschaft, dann um die 5 Sprachen der Liebe und wie du mit Ihnen die Liebe aufrecht hältst.